ekhn2030 Paradiesgärtlein

"Vom Kleingarten zur Parkanlage"

Die Früchte werde ich wohl nicht mehr genießen können

Überlegungen zu den anstehenden Nachbarschaften

Wie schön ist es, im Frühling etwas zu pflanzen und dann im Herbst zu ernten oder sich den ganzen Sommer und Herbst an schönen Blüten zu erfreuen. Ja, so macht Gärtnern Spaß, wenn es schnelle Ergebnisse gibt, die ich selber genießen kann.

Als wir hier in die Dienstwohnung gezogen sind, da brauchte der Garten eine Generalüberholung – die alte Zypressen-Hecke kam raus, auch manches Gestrüpp und manche Stauden haben wir umgesetzt. Dann ging es ans Neupflanzen. Bei mancher Pflanze habe ich mich gefragt – werde ich sie in ihrer vollen Schönheit wirklich genießen? Eine Hainbuchenhecke braucht eigentlich fast 10 Jahre, um richtig dicht zu werden, gut, der Weinstock nur ein paar Jahre bis er erste Trauben trägt, doch die japanische Blütenkirsche wird mich hoffentlich überleben und mehr und mehr ihre Pracht entfalten. Aber wenn man eben nur zur Miete wohnt, fragt man sich schnell: Lohnen sich all die Mühe und auch all die Kosten?

Ja, es lohnt, denn ich lebe und arbeite nicht nur für mich selbst und die Menschen, die jetzt leben. Mein Vater war Forstamtsleiter. Wenn wir durch den Wald gelaufen sind, dann hat er mich oft daran erinnert, dass er jetzt die Entscheidung nicht nur für die nächste, sondern die übernächste Generation treffen muss. Er selbst muss mit den Entscheidungen der vor-vorherigen Generation leben. Und dabei hat er manchmal die Weisheit seiner Vorgänger bewundert, musste aber auch manches ausbügeln, was nach heutiger Meinung wohl eher verfehlt war. Aus diesem Grund hat mein Vater es sich auch selbst nicht leicht gemacht, wenn es darum ging, ein Waldstück wieder neu aufzuforsten – wieder Fichten oder doch lieber Buchen? Doch die brauchen fast doppelt so lange, bis man sie ernten kann.

Mich hat diese Haltung tief geprägt – und deswegen denke ich oft nicht lange darüber nach, wenn ich bei uns im Garten unterwegs bin. Wenn es dazu beiträgt, dass ein schöner Garten auf lange Sicht entsteht, dann lohnt es sich, auch Pflanzen zu kaufen, deren Früchte ich vielleicht nicht mehr genießen werde. Es werden auch nach uns Menschen in diesem Haus wohnen – dann haben sie etwas zum Genießen und Freuen. Naja, und wenn es ihnen nicht gefällt, dann können sie ja alles wieder umgestalten – so ist eben das Leben.

Diese Haltung prägt mich aber auch, wenn ich an unseren kirchlichen Reformprozess denke. Viele von den Früchten dieser Veränderungen und Umstrukturierungen werde ich wohl zumindest als Dekan kaum noch ernten können. Da wäre es manchmal leichter, alles einfach so zu lassen und nur zu genießen, solange es noch geht. Doch dann spüre ich die Verantwortung für die kommende Generation. Sie sollen auch in einem guten Umfeld leben, beten und feiern können. Deswegen liegt mir der Reformprozess sehr am Herzen und ich bin bereit, heute schon manches zu pflanzen, was erst in späterer Zeit wirklich Früchte tragen wird.

Bleiben Sie wohlbehütet,

Ihr Dekan Olliver Zobel

Olliver Zobel

Dekan
Eine weiße Holzbrücke in einem Garten in Frankreich

"Vom Kleingarten zur Parkanlage"

Überlegungen von Dekan Olliver Zobel zu den anstehenden Nachbarschaften in mehreren Teilen zum Download: