Unter dem Motto „Ich will dich segnen und du sollst ein Segen sein“ fand in der evangelischen Kirche Schwabsburg am 18. Januar ein Festgottesdienst zur Gründung der evangelischen Gesamtkirchengemeinde „Rheintalhöhen“ statt. Im Zentrum des Gottesdienstes standen die Einführung des neuen Gesamtkirchenvorstandes, die Verabschiedung und Würdigung der Arbeit der bisherigen Kirchenvorstände und die Vorstellung des Verkündigungsteams der neuen Körperschaft der Gesamtkirchengemeinde. Die sieben evangelischen Gemeinden Bodenheim-Nackenheim, Harxheim-Gau-Bischofsheim, Mommenheim-Lörzweiler, Nierstein, Schwabsburg, Dexheim und Dalheim bilden nun ein „großes Ganzes“, wie es die stellvertretende Vorsitzende des Dekanatsvorstandes des evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim, Cornelia Büttner, in ihrer Ansprache zu Beginn des Gottesdienstes formulierte.
Wie die Gesamtkirchengemeinde „Rheintalhöhen“ haben sich zum 1. Januar 2026 noch zwei weitere Gesamtkirchengemeinden im evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim als Körperschaften öffentlichen Rechts neu gegründet. Die Gesamtkirchengemeinde „Ingelheim“ mit den Gemeinden Groß-Winternheim – Schwabenheim, Heidesheim, Burgkirchengemeinde (Ingelheim), Gustav-Adolf-Kirchengemeinde (Ingelheim), Saalkirchengemeinde (Ingelheim), Versöhnungskirchengemeinde (Ingelheim) und Wackernheim haben bereits am 11. Januar 2026 ihre Gründung mit einem Festgottesdienst gefeiert. Außerdem hat sich die dritte Gesamtkirchengemeinde „Nahe an Rhein und Wißberg“ mit den Gemeinden Christuskirchengemeinde (Bingen), Johanneskirchengemeinde (Bingen), Gustav-Adolf-Kirchengemeinde (Bingerbrück), Gensingen – Grolsheim, Horrweiler – Aspisheim, St. Johann –Wolfsheim und Zotzenheim – Welgesheim gegründet.
Mit den neuen Gesamtkirchengemeinden sind nun 21 der 42 Kirchengemeinden des Dekanats zu drei Gesamtkirchengemeinden zusammengefasst. Die übrigen beiden Nachbarschaftsräume des Dekanats werden zum 1.1.2027 ihre Rechtsform festlegen. Die Kirchengemeinden der neuen Gesamtkirchengemeinden bleiben als Körperschaften öffentlichen Rechts bestehen und bilden jeweils Ortsausschüsse. Das Leitungsgremium der Gesamtkirchengemeinde ist der Gesamtkirchenvorstand. Ein Verkündigungsteam – bestehend aus Pfarrpersonen, einer bzw. einem GemeindepädagogIn und einem bzw. einer KirchenmusikerIn – wird gemeinsam dafür Verantwortung tragen, dass Gottesdienst, Seelsorge und kirchliches Leben im Nachbarschaftsraum verlässlich, vielfältig und gut abgestimmt gestaltet werden. Die auf der Ebene der früheren Kirchengemeinde gebildeten Ortsausschüsse bieten die Möglichkeit für Ehrenamtliche, die kirchliche Arbeit vor Ort mitzugestalten.
Im Rahmen der Festgottesdienste in Ingelheim und Schwabsburg wurden diejenigen, die sich aus den Kirchenvorständen des Nachbarschaftsraum für eine Weiterarbeit im Gesamtkirchenvorstand entschieden haben, in ihr Amt eingeführt; gleichzeitig wurde aber auch die Arbeit derjenigen, die von nun an in den Ortsausschüssen mitarbeiten oder sich aus der ehrenamtlichen Gemeindeleitung ganz zurückziehen wollen, gewürdigt. Und so richtete Dekan Olliver Zobel am 11. Und am 18. Januar 2026 sein Wort an die zahlreich in der Ingelheimer Versöhnungskirche und der evangelischen Kirche Schwabsburgs erschienen früheren Kirchenvorsteherinnen: „Danke für Ihre Bereitschaft, sich in den Dienst Gottes zu stellen. Danke für alle den Einsatz in den Ortsgemeinden in den letzten Jahrzehnten. Gott, schenk du Mut, Hoffnung und Dankbarkeit, wenn jetzt dieses Amt zu ende geht. Segne nun den Übergang und hilf mit all den Veränderungen klar zu kommen und wieder neu den eigenen Platz zu finden.“
Die gut besuchten Gottesdienste und die anschließenden Empfänge waren von einer offenen und zuversichtlichen Atmosphäre geprägt. Auch musikalisch wurde das neue Miteinander sichtbar: In Ingelheim gestalteten mehrere Chöre und erstmals vereinigten Bläserchöre den Gottesdienst gemeinsam. In Schwabsburg trug der gemischte Chor von SängerInnen aus Dexheim, Nierstein und Nackenheim geleitet von Sonja Haub und der von Mommenheimer und Niersteiner MusikerInnen unterstützte evangelische Posaunenchor Schwabsburg unter der Leitung von Norbert Emig zur Feststimmung wesentlich bei.
In ihrer Predigt zog die stellvertretende Dekanin Vanessa Bührmann Parallelen zwischen dem Reformprozess der EKHN und dem biblischen Aufbruch Abrahams und Saras aus Mesopotamien. Als Ermutigung für dieses Wagnis verspricht Gott, das Paar zu segnen, damit sie auch anderen zum Segen werden. Für Abraham und Sara ist es kein leichter Abschied aus der vertrauten Heimat. „Aber wenn Gott sagt: ‚Geh‘“, führte die stellvertretende Dekanin ihren Gedankengang fort, „dann steht dort im hebräischen Text ‚Geh und – geh für dich!‘. Geh – und tu das für dich. Denn wenn du dableibst, wenn du immer nur zurückblickst, dann gewinnt deine Vergangenheit, dann hast du keine Zukunft.“ Und sie appellierte an die ihr sehr aufmerksam zuhörende Festgemeinde, dies auch für den Prozess in ihrem Nachbarschaftsraum zu verinnerlichen: „Wir alle gehen mit Gott zusammen in neues Land.“