„Lasst uns die Worte von Jesus aufnehmen in unsere Herzen und eintreten für eine Kultur der Fürsorglichkeit, der Gerechtigkeit und des Friedens!“ Mit diesem eindringlichen Appell wandte sich der frühere Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Dr. Volker Jung, am Reformationstag an die zahlreichen Gottesdienstbesucherinnen und -besucher in der Oppenheimer Katharinenkirche. In seiner Predigt am 31. Oktober 2026 stellte er unter dem Motto „Ebenbilder“ die Frage in den Mittelpunkt, was es bedeutet, wenn die Bibel den Menschen als Ebenbild Gottes bezeichnet.
Zum Frieden beitragen – im Kleinen wie im Großen
Dabei verband Jung die biblische Vorstellung von der Gottebenbildlichkeit des Menschen mit den Seligpreisungen Jesu aus der Bergpredigt, die zu den zentralen Texten von dessen Verkündigung gehört. Jesus spreche den Menschen Gottes Nähe zu und zeige zugleich, welche Möglichkeiten in den Menschen liegen: „barmherzig zu sein und freundlich, gerecht und ohne hinterlistige Gedanken in den Herzen. Und dass sie etwas tun können für ein gutes Leben miteinander: dass sie Frieden stiften können. Und dass sie darin mit Gott verbunden sind – Ebenbilder Gottes.“
Eine Zusage, die auch heute noch gilt
Auch Martin Luther erfuhr diese Botschaft als befreiend, erläuterte Jung. Lange rang Luther mit der Frage, wie er als Mensch vor Gott bestehen könne. Erst beim Studium der Bibel entdeckte er die befreiende Botschaft von Gottes Gnade und Liebe. In einer Predigt über die Seligpreisungen beschrieb Luther das Evangelium als ein Angebot Gottes, das „allen Leuten Hilf und Gnad anbietet und nichts mehr fordert, sondern allein freundlich locket“. Luther habe selbst erfahren, „wie Gott ihn tröstet, aufrichtet, stärkt und orientiert“, so Jung. Deshalb sei es ihm auch wichtig gewesen, Gott gerade bei den Elenden, Irrenden und Mühseligen zu suchen. Seinen Zuhörerinnen und Zuhörern wünschte Jung, dass sie diese Zusage auch für sich selbst annehmen könnten: „Selig seid ihr! Gott ist euch nah! Gott verlässt euch nicht!“
Die Reformation als Ermutigung für die Gegenwart
Zu Beginn des Gottesdienstes hatte der scheidende Dekan des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim und künftige Propst zu Jerusalem, Olliver Zobel, in seinem Grußwort eine Brücke von der Vergangenheit in die Gegenwart geschlagen. Der Reformationstag rufe ins Gedächtnis, dass Fragen nach notwendigen Veränderungen einst Entwicklungen angestoßen hätten, die zur Entstehung der Evangelischen Kirche führten. Auch heute stünden Kirche und Gesellschaft vor Fragen, denen sie sich stellen müssten. „Die Erinnerung an den Reformationstag“, erklärte Zobel, „ermutigt mich aber, dass wir es auch in unserer Zeit hinbekommen, die notwendigen Veränderungen anzugehen und zu gestalten.“
Festliche Klänge in der Katharinenkirche
Die Liturgie gestalteten außerdem die stellvertretende Dekanin und Tourismuspfarrerin Vanessa Bührmann, der Oppenheimer Pfarrer Eric Bohn sowie Christine Peter vom Dekanatssynodalvorstand und Anja Wernicke vom Kirchenvorstand Oppenheim. Für den festlichen musikalischen Rahmen sorgten die Kantorei St. Katharinen und das Bläserensemble St. Katharinen mit Gästen aus den Posaunenchören des Dekanats und der Propstei. Unter der Leitung von Propsteikantor Ralf Bibiella und Dekanatsmusikerin und Organistin Dr. Katrin Bibiella erklangen unter anderem Chorsätze aus Georg Friedrich Händels Oratorium „Messiah“.