Jeder Mensch hat Verantwortung – schlicht, weil er Mensch ist

veröffentlicht 18.09.2026, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

An seiner ersten Station von „Mit Hoffnung unterwegs“ besucht Dekan Olliver Zobel das jüdisch-muslimischen Bildungswerk „Maimonides“.

Mit Hoffnung unterwegs: Zum Abschied besucht Dekan Olliver Zobel in den letzten Wochen seiner Amtszeit Menschen und Orte, die Kirche im Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim lebendig machen. Seine erste Station führt ihn zu Mustafa Cimşit vom jüdisch-muslimischen Bildungswerk „Maimonides“ – und zu einem Gespräch über Menschenwürde, gesellschaftliche Verantwortung und die Frage, wie aus Sorge wieder Handeln werden kann. 

„Jeder Mensch hat Verantwortung – schlicht, weil er Mensch ist.“, sagt Mustafa Cimşit. Für den Geschäftsführer des jüdisch-muslimischen Bildungswerks Maimonides beginnt Verantwortung dort, wo Menschen ausgegrenzt oder ihre Rechte infrage gestellt werden. Dann, so ist er überzeugt, reicht es nicht, nur zuzuschauen. Genau über dieses Thema will Olliver Zobel mit ihm noch einmal sprechen. Bevor der Dekan Ende November nach Jerusalem wechselt, besucht er unter dem Titel „Mit Hoffnung unterwegs“ Menschen, Projekte und Orte, die ihm in den vergangenen Jahren besonders wichtig geworden sind. Es geht dabei weniger um eine Bilanz seiner Amtszeit als vielmehr um die Frage, was Kirche heute tragen kann – und wo sie gebraucht wird.

Wenn aus Sorge Verantwortung wird

Zobel und Cimşit verbindet seit Jahren die Binger Veranstaltung „Das Interreligiöse Gespräch“. Dekan Zobel hatte diese Veranstaltungsreihe schon in der Zeit als Pfarrer an der Johanneskirche Bingen gemeinsam mit der Volkshochschule angestoßen. Mit ihr kamen Menschen unterschiedlicher Religionen miteinander ins Gespräch. Im Zusammenhang mit der Veranstaltungsreihe lernte der Dekan das Bildungswerk Maimonides in Wackernheim kennen. Dass er auf seiner letzten Runde durchs Dekanat dort noch einmal vorbeischaut, war für ihn ein besonderes Anliegen.

Den Dekan wie den Geschäftsführer des Bildungswerkes beschäftigt, wie offen inzwischen gesellschaftliche Positionen vertreten werden, die Menschen ausgrenzen oder ihnen gleiche Rechte absprechen. Cimşit sagt, solche Stimmen hätten ihn schon lange begleitet. Heute werden sie aber ganz selbstverständlich öffentlich geäußert. Nun ist jeder und jede gefordert, solchen Positionen zu widersprechen.

Für Cimşit ist das nicht die Aufgabe von Politik oder Kirche allein. Jeder Mensch trage Verantwortung. Von den Kirchen erwartet er dennoch eine klare Stimme. Sie hätten gute Gründe, für Menschenwürde, Freiheit und Gerechtigkeit einzutreten. Gleichzeitig beobachtet er auch dort eine gewisse Müdigkeit. Viele sähen, was problematisch sei – aber der Schritt vom Erkennen zum Handeln falle schwer.

Haltung allein reicht nicht. Sie muss sich auch im Handeln zeigen.

Zobel teilt diese Einschätzung. Zugleich verweist er auf das hin, was im Dekanat bereits geschieht. Gerade im Jugendbereich habe sich in den vergangenen Jahren viel entwickelt: bei „Jugend trifft Politik“, bei der Aktion „Gewalt hat eine Geschichte“ oder in Workshops zu Menschenwürde an Schulen sowie in der Konfi-Arbeit. Für seine letzten Wochen als Dekan nimmt er aus dem Gespräch noch einmal einen klaren Gedanken mit: Haltung und Handeln gehören eng zusammen. Daran müssen sich Christinnen und Christen in diesem Dekanat ausrichten, wenn sie sich an Gottes Hoffnung orientieren.

Das Bildungswerk Maimonides bleibt dabei ein wichtiger Partner. Noch einmal laden Dekanat, Bildungswerk und VHS gemeinsam zum Interreligiösen Dialog ein: am 29. September um 19 Uhr im ZwoZwo in Bingerbrück. Die beiden Geschäftsführer des Wackernheimer Bildungswerkes, Mustafa Cimşit und Manfred Levy, sprechen dort über die Frage: „Hoffnung lernen. Wie können die Religionen Resilienz und Vertrauen stärken?“ Für Zobel schließt sich damit ein Kreis. Das „Interreligiöse Gespräch“ gehörte schon früh zu seiner Arbeit in Bingen. Nun wird es zu einer der letzten wichtigen Veranstaltungen in seiner Zeit im Dekanat – und zu einer, bei der es nicht nur um Abschied geht, sondern vor allem darum, wie es weitergeht.

Hier finden Sie mehr Informationen zum “Interreligiösen Gespräch”