Mit offener Herzlichkeit und einem fest verwurzelten Glauben hat die Theologin und Gemeindepädagogin Michaela Mutschmann den Arbeitsbereich „SeniorInnen“ im derzeitigen Nachbarschaftraum 3 des Evangelischen Dekanats Ingelheim-Oppenheim zwischen Gau-Algesheim und Nieder-Olm übernommen. Die Begegnung mit Menschen ist für die Nieder-Olmerin Michaela Mutschmann eine Herzensangelegenheit, der Glaube eine Quelle der Zuversicht. Als Gemeindepädagogin für die ältere Generation möchte die warmherzige 30-Jährige in der zukünftigen „Evangelischen Paulusgemeinde im Rheinhessischen Hügelland“ im Dekanat Menschen zusammenbringen und Räume schaffen, in denen der Glaube gelebt werden kann.
Von Gott gefunden
Dass sie einmal in der Seniorenarbeit tätig sein würde, war für die Mutter einer dreijährigen Tochter keineswegs vorgezeichnet. Geboren in São Paulo, kam sie mit drei Jahren nach Deutschland und wuchs in der Südpfalz in einem wenig kirchlich geprägten Elternhaus auf. Erst während ihrer Konfirmandenzeit entdeckte sie den christlichen Glauben. „Ich hatte das Gefühl, dass Gott mich gefunden hatte. Ich habe die Liebe Gottes gespürt und machte mich auf die Suche.“
Diese Suche sollte sie auch beruflich noch einige Jahre begleiten. Nach dem Abitur zog es sie zunächst ans Meer – in die Heimat ihrer Vorfahren. In Lübeck begann sie eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin, stellte jedoch bald fest, dass ihr Wunsch, Menschen wirklich nahe zu sein, im Klinikalltag kaum zu verwirklichen war. Es folgten vier Semester Evangelische Theologie in Hamburg. Dort entdeckte sie ihre Begeisterung für alte Sprachen, insbesondere für das Hebräische. Mit dem Umzug nach Mainz im Frühjahr 2020 eröffnete sich für sie die Möglichkeit, ihren Studienschwerpunkt auf die Erziehungswissenschaft in Verbindung mit Theologie zu verlagern. Daraus ergab sich in ihrer neuen Heimatgemeinde Nieder-Olm ein Engagement in der Konfirmandenarbeit.
Hinhören, kennenlernen, Verbindungen schaffen
Schon in ihrer Bachelorarbeit hatte sich Michaela Mutschmann mit den Lebensgeschichten älterer Menschen beschäftigt. Besonders berührten sie deren Erinnerungen an Krieg und schwere Schicksalsschläge, aber auch die Widerstandskraft dieser Generation und ihr häufig tief verwurzelter Glaube. „Ich habe das Gefühl, dass älter werdende Menschen immer mehr auf ihre körperliche Verfassung reduziert werden. Dabei steht das oft in starkem Kontrast zu dem Schatz ihrer reichen Lebenserfahrung“, erklärt Michaela Mutschmann.
An ihre Erfahrungen aus Studium und Gemeindearbeit möchte Michaela Mutschmann nun anknüpfen. Derzeit erkundet sie ihren weitläufigen Nachbarschaftsraum, besucht Seniorennachmittage und knüpft Kontakte zu kommunalen und ökumenischen PartnerInnen. Gleichzeitig erarbeitet sie eine Mappe mit Themen für die Arbeit mit der älteren Generation. Dabei geht es ihr nicht darum, möglichst viele neue Angebote ins Leben zu rufen. Nicht alles müsse mehrfach angeboten werden. Viel wichtiger sei es, herauszufinden, wo Gemeinschaft fehle, welche Begegnungsmöglichkeiten gewünscht seien und welche spirituellen Angebote gebraucht würden.
Aus den Psalmen schöpft sie Kraft
Was sie dabei leitet, beschreibt eines ihrer hebräischen Lieblingswörter: Rachamim, Barmherzigkeit. Darin kommt für sie Gottes liebevolle Zuwendung zu den Menschen zum Ausdruck. Kraft schöpft Michaela Mutschmann aus den Psalmen, in denen alle menschlichen Gefühle ihren Platz haben: Klage, Bitte, Dank und Lob. Und aus der Gewissheit: „Ich kann nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.“
Für ihre neue Aufgabe wünscht sie sich, dass etwas wachsen darf – für die Menschen, denen sie begegnet, aber auch für sie selbst. Besonders freut sie sich auf die vielfältigen Lebens- und Glaubensgeschichten, die sie kennenlernen wird. Und als sie gefragt wird, was bei den Begegnungen auf keinen Fall fehlen dürfe, lacht die junge Frau: „Kaffee und Kuchen.“ Schließlich sei es doch herrlich, wenn gleichermaßen für das leibliche und das seelische Wohl gesorgt werde.