Montag: Öffentlichkeitsarbeitsausschuss, Dienstag Ortsausschuss, Mittwoch Gesamtkirchengemeindevorstand – viele Abende in der Woche und natürlich auch am Sonntagmorgen ist der Ingelheimer Peter Leon für die Evangelische Kirche unterwegs. Dieses große Engagement ist für den IT-Fachmann selbstverständlich – auch wenn so mancher Feierabend drauf geht: Seine Familie trägt es mit, denn das Ehrenamt gibt ihm auch viel Kraft.
Aufgewachsen in einer gemischtkonfessionellen Familie wurde er zunächst katholisch erzogen – besonders geprägt durch seine sehr frommen Großeltern. „Die Katholische Kirche“, erinnert sich Peter Leon, „hat mir sehr viel Gutes mitgegeben“. Doch je älter er wurde, desto mehr spürte er, dass allein Jesus Christus zwischen dem Menschen und Gott als Mittler stehen sollte und keine kirchliche Instanz. Mit 38 Jahren konvertierte er zur Evangelischen Kirche. „Pfarrerin Petra Lohmann nahm mich in die Frei-Weinheimer Kirchengemeinde auf. Hier fühlte ich mich gut aufgenommen.“
Peter Leon trat der Singgemeinschaft der Kirchengemeinde bei, schrieb (und schreibt) Beiträge für den Gemeindebrief und wurde schließlich auch zum Kirchenvorsteher gewählt. Er liebt es, in geselliger Runde wie z. B. beim traditionellen Freitagsmahl seiner Frei-Weinheimer Gemeinde mit anderen Gemeindegliedern zusammenzusitzen, intensiv über Bibeltexte zu sprechen und im Anschluss gemeinsam zu essen.
Auch seine Familie engagierte sich in der Gemeinde. „Meine Söhne sollten diese Kirche als einen Schutzraum kennenlernen, in den sie immer wieder zurückkehren können“, erklärt Peter Leon. Und das ist für ihn – angesichts der politischen Lage– ein ganz wichtiger Punkt: „Ich bin kein politischer Mensch, aber wenn ich sehe, was sich gerade in unserer Gesellschaft abspielt, fürchte ich, dass wir finsteren Zeiten entgegengehen. Und da glaube ich, dass unsere Kirche ein wichtiger Schutzraum sein wird – ein Raum für Vergebung, Barmherzigkeit und Mitmenschlichkeit.“
Dass das kirchliche Leben sich derzeit im Rahmen des Reformprozesses ekhn2030 verändert und seine Frei-Weinheimer Kirchengemeinde jetzt Teil der Gesamtkirchengemeinde Ingelheim ist, macht ihm – nach anfänglicher Skepsis – keine Angst mehr. Im Gegenteil: „Wir arbeiten jetzt z. B. mit der Versöhnungskirchengemeinde in Ingelheim-West eng zusammen“, erzählt er, „Und ich habe im Rahmen des Prozesses viele nette Menschen kennengelernt und festgestellt, woanders ist es auch schön. Indem wir unser eigenes kuscheliges (Gemeinde-)Nest verlassen, eröffnen sich für uns ganz andere Möglichkeiten.“ So genoss er es, vor Weihnachten eine Andacht in der Reihe „Stille Momente im Advent“ in der Versöhnungskirche zu gestalten.
Im Ausschuss “Kirchliches Leben” auf dem Weg zur Gesamtkirchengemeinde und jetzt noch als Mitglied im Gesamtkirchenvorstand standen und stehen viele Kompromisse und Bemühungen um gegenseitige Verständigung auf der Tagesordnung. „Ich sehe im Gesamtkirchenvorstand und in den Gemeinden ein großes Maß an gutem Willen“, erzählt er, „und das ist gut so, denn die Evangelische Kirche muss in der Gesellschaft eine gestaltende Kraft bleiben.“ Sein Glaube lässt ihn darauf vertrauen, dass dies gelingen wird. „Ich bin der festen Überzeugung, dass uns Gott mit seinem Segen, die Kraft für den Neuanfang in der Gemeinde, aber auch im Leben gibt.“