„Auch wenn wir weniger werden, sollten wir nicht leiser werden“

veröffentlicht 21.04.2026, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

Sabine Bachmann-Pilz fühlt sich als Vorsitzende des Kirchenvorstandes der Gesamtkirchengemeinde "Rheintalhöhen" für ihr kirchliches Ehrenamt von Gott gestärkt

Es kann schon mal passieren, dass sie im roten Fan-Hoodie ihres Lieblings-Fußballvereins im Abendgottesdienst erscheint. Dann war in ihrem auch am Wochenende eng getakteten Tagesablauf kaum Zeit zum Durchatmen – Sabine Bachmann-Pilz bleibt zwischen Vollzeit-Berufstätigkeit, Familie und kirchlichem Ehrenamt selten Zeit, einmal innezuhalten. Wer mit der Vorsitzenden des Vorstands der evangelischen Gesamtkirchengemeinde „Rheintalhöhen“ spricht, erlebt, wie viel Energie in der zierlichen Niersteinerin steckt. Unterstützt von einem Team von Ehren- und Hauptamtlichen hält sie in der seit 1. Januar 2026 neu gegründeten Gesamtkirchengemeinde, die von Dalheim bis Bodenheim-Nackenheim und von Mommenheim-Lörzweiler bis Nierstein reicht, die Fäden in der Hand. 

„Neben meiner Vollzeitberufstätigkeit ist das schon ein dickes Brett, das man mit diesem Amt zu bohren hat“, stellt die 58jährige Bankkauffrau fest. „Mit der Gründung der Gesamtkirchengemeinde gab es so vieles zu durchdenken und zu tun, wie z. B. die Organisation eines gemeinsamen Gemeindebüros oder eines gemeinsamen Gemeindebriefes“. Gefühlt habe sie sich seitdem jeden Tag mit dem Thema „Gesamtkirchengemeinde“ beschäftigt. „Zum Glück lief das mit unseren sieben Gemeinden von Anfang an recht harmonisch. Wir alle haben eine positive Grundhaltung zum Reformprozess, in dem sich die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau im Moment befindet, und laufen nun gemeinsam in eine Richtung.“  So hat man sich ganz pragmatisch dazu entschlossen, das Beste aus der Zusammenlegung der Gemeinden zu machen. Sabine Bachmann-Pilz hat im Lauf der letzten Monate erlebt, dass sich die Menschen in den Gemeinden zusammentun: „Die Gemeindegruppierungen schauen, wo sie etwas zusammen machen können, wo sie sich gegenseitig einladen. Der Blick ist geweitet.“ 

Trotzdem können aber auch noch einzelne gemeindliche Interessen weiterverfolgt werden. „So bleibt zum Beispiel,“, erzählt sie, „die starke Ökumene in Nierstein und in Bodenheim-Nackenheim erhalten.“ Und was ihr besonders wichtig ist, ist, dass die Ortsausschüsse der einzelnen Gemeinden, die aus den früheren Kirchenvorständen hervorgegangen sind, „weiterhin ihre Berechtigung haben.“ Sie selbst ist noch im Niersteiner Ortsausschuss engagiert. Hier ist man durch den Gesamtkirchenvorstand von vielem wie z. B. Bausachen oder Personalfragen befreit worden, „und so können wir hier viel mehr über inhaltliche Themen sprechen.“

Als Herausforderung empfindet sie es, die Menschen in der nun wesentlich größeren Gesamtkirchengemeinde zu erreichen und informiert zu halten. Der gemeinsame Gemeindebrief, der im Frühjahr zum ersten Mal erschienen ist, ist für die Gesamtkirchenvorstandsvorsitzende ein erster erfolgreicher Schritt. Auch die Zugriffe auf die gemeinsame Dachwebsite hätten stark zugenommen. „Aber wir müssen noch weitergehen“, erklärt sie und sieht in dem lebendigen Instagram-Account des CVJM Nierstein ein gutes Vorbild. 

Ein wichtiges Anliegen dieser Öffentlichkeitsarbeit ist für Sabine Bachmann-Pilz, den Menschen zu vermitteln, wie beeinträchtigend sich Kirchenaustritte auf die Wirksamkeit kirchlichen Arbeitens auswirken: „Wir brauchen die Kirchensteuer, um unsere Arbeit zu finanzieren – sei es in der Diakonie, sei es in der Kita oder z. B. in der Krankenhausseelsorge. Außerdem kostet auch die Kirche als Kulturgut Geld.“ 

Sabine Bachmann-Pilz sieht die Herausforderungen, denen sie sich für eine Kirche der Zukunft stellen muss, aber sie ist auch optimistisch, dass sie diese Aufgabe bewältigen kann: „Ich bin gut organisiert, kann schwätzen, habe keine Hemmung, irgendwo anzurufen und Sachverhalte einfach darzustellen. Ich fühle mich von Gott gestärkt, dieses Amt zu führen. Und es waren immer Menschen da, mit denen ich mich austauschen konnte, und die mir weitergeholfen und mich gestützt haben.“ Als Teamplayer möchte sie zusammen mit anderen Engagierten für die Kirche erreichen, dass auch kirchenferne Menschen spüren, welches Potenzial der Glaube für ihr Leben haben kann und dass Kirche auch ein Raum der Offenheit für andere Perspektiven und Ansätze ist. Aus diesem Grund findet sie die Kampagne „#Verständigungsorte“ der Diakonie vorbildlich. „Auch wenn wir weniger werden, sollten wir nicht leiser werden, um für unsere Werte einzutreten.“