1500 Teller und eine wichtige Erfahrung

veröffentlicht 11.08.2026, Evangelisches Dekanat Ingelheim-Oppenheim

20 Jugendliche und junge Erwachsene der Evangelischen Jugend erlebten in Taizé, wie aus ungewohnten Aufgaben Gemeinschaft entstehen kann.

„Oh Gott, wie sollen wir das nur die ganze Woche schaffen?“ Sehr begeistert waren die 15- bis 16-Jährigen am ersten Abend in Taizé zunächst nicht, als feststand: Ihre Gruppe übernimmt in dieser Woche den Abwaschdienst. Und das bedeutete Abwaschen für rund 1500 Menschen. In den vergangenen beiden Jahren hatten für die Jugendgruppen, die aus dem Evangelischen Dekanat Ingelheim-Oppenheim nach Taizé gereist waren, immer kleinere Aufgaben wie die Essensausgabe auf dem Programm gestanden. Doch schnell zeigte sich für die diesjährige Gruppe: Auch an eine solche Herausforderung kann man sich gewöhnen – und mit der richtigen Einstellung sogar Spaß daran finden.

Begleitet von Gemeindepädagogin Margarete Ruppert und den Teamer*innen, Hendrik Kremer, Hannah Föll und Annika Clement, waren 20 Jugendliche und junge Erwachsene in der fünften Sommerferienwoche mit der Evangelischen Jugend im Dekanat Ingelheim-Oppenheim nach Taizé gereist. In dem kleinen burgundischen Ort lädt die ökumenische „Communauté de Taizé“ Woche für Woche Jugendliche und junge Erwachsene aus aller Welt zu Begegnung, Gebet und Austausch über Glaubens- und Lebensfragen ein. Für einige aus der Jugendgruppe des Dekanats war Taizé längst vertraut. Umso mehr fielen den erfahrenen Taizé-Fahrer*innen in diesem Jahr einige Veränderungen auf: eine neue Ordnung im Liedheft, eine weibliche Freiwillige statt eines Bruders bei der Bibeleinführung – und eben der große Abwasch nach dem Abendessen.

Im „Meeting with a brother“, dass für die gesamte Gruppe an einem Nachmittag auf dem Programm stand, gab Brother Francis den Teilnehmenden den Gedanken mit auf den Weg, dass es nötig ist, etwas zu ändern, wenn man sich zu sehr auf Dinge versteift, da man sich sonst nicht entwickeln kann. Taizé ändere sich immer und werde sich immer verändern. Nur so könne es lebendig sein. Wenn er als Brother Francis erfahre, dass er sich mit einer rheinhessischen Jugendgruppe treffen soll, und sich denken würde: „Oh, wie nervig“ wäre das etwas anderes, als wenn er denken würde: „Interessant, ich treffe eine Gruppe, die aus der Nähe meiner Heimat kommt. Mal sehen, was sie zu erzählen haben.“ 

Bereits beim zweiten Mal war der Schreck über den großen Abwasch bei den Jugendlichen schon nicht mehr so groß und sie waren auf die Aufgabe besser eingestellt. Da ging es gleich schneller. Es wurde gemeinsam gesungen und so entwickelten sich Routinen. Irgendwann waren alle imstande, in die tiefen Pötte zu tauchen, um Teller oder Schüsseln hochzuholen und mit jeglichem Dreck fertig zu werden. Die Älteren der Gruppe hielten den Jüngeren Plätze in der Kirche frei, so dass keiner Sorge haben musste, dort nicht unterzukommen. 

Und so werden im Gedächtnis der Teilnehmenden vor allem die drei Gebete am Tag, die Stille, viel gute Gemeinschaft in unserer Gruppe und mit anderen, wie zum Beispiel mit einer großen Gruppe aus Portugal, bleiben. Bleiben werden viele schöne Erinnerungen und vielleicht auch die Erfahrung, dass es manchmal einfach auch nur auf die eigene Einstellung ankommt.